Frische Impulse zur Debatte um wirtschaftspolitische Alternativen für Ecuador bei Vortragsreise von Wirtschaftsprofessorin Barbara Fritz

Frau Prof. Dr. Fritz beim Vortrag in der UDLA. Bild vergrößern Frau Prof. Dr. Fritz beim Vortrag in der UDLA. (© Botschaft Quito) Im Rahmen einer Vortragsreise vom 12. bis 18. Juni trug die Expertin für lateinamerikanische Wirtschaft,  Prof. Dr. Barbara Fritz, mit klugen Analysen und einem unverstellten Blick von außen zur aktuellen Debatte um wirtschaftspolitische Alternativen für Ecuador bei. Die in Kooperation zwischen dem Institut für Auslandsbeziehungen (Ifa) der Bundesregierung, der Deutschen Botschaft bzw. den deutschen Honorarkonsulinnen in Cuenca und Guayaquil und lokalen Universitäten und Wirtschaftskammern in Quito, Cuenca und Guayaquil organisierten Veranstaltungen fanden jeweils großen Zuspruch und lösten angeregte Diskussionen aus. Prof. Fritz unterstrich in ihren Ausführungen insbesondere die große Bedeutung einer Deckung der Bankeinlagen bei der Zentralbank zu 100% durch internationale Reserven, einer Haushaltsanpassung und eines Exportüberschusses, wenn das Land die Dollarisierung beibehalten will. Mehr Produktivität, Produktion und Exporte könnten hauptsächlich durch in- und ausländische Investitionen und offene Märkte erreicht werden, da das Instrument der Abwertung des Wechselkurses nicht zur Verfügung steht.  Abschottung und Importsubstitution haben hingegen in vergleichbaren Staaten keine nachhaltig positiven Ergebnisse erbracht. 

Am Montag, den 12. Juni,  präsentierte die ehemalige Direktorin des Lateinamerikainstituts der Freien Universität Berlin, Frau Prof. Fritz, an der Universidad de las Amerikas (UDLA)  Möglichkeiten für den  wissenschaftlichen Austausch zwischen Deutschland und Ecuador, sowie Fakten zum aktuellen Stand der Lateinamerikaforschung in Deutschland. Im Anschluss lud der deutsche Botschafter, Joachim von Marschall, zu einem Mittagessen in kleiner Runde ein, bei dem sich Prof. Fritz mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft über die aktuelle Lage in Ecuador und die weiteren Perspektiven austauschen konnte.

Am folgenden Tag fand eine Veranstaltung im Botschafter Joachim von Marschall und Frau Prof. Dr. Fritz Bild vergrößern Botschafter Joachim von Marschall und Frau Prof. Dr. Fritz (© Botschaft Quito) Auditorium der UDLA in Quito statt. Vicente Albornoz, Dekan der volkwirtschaftlichen Fakultät, führte mit seiner Präsentation in die Anfänge und die Entwicklung der Dollarisierung in Ecuador ein. Im Anschluss stellte Barbara Fritz eine gemeinsam mit anderen AutorInnen erstellte Studie  über internationale Währungsbeziehungen vor, die de facto einer Währungspyramide gleichen, die Länder mit wenig nachgefragter Währung benachteiligt. Diese Nachteile habe Ecuador durch die Übernahme des US-Dollar abgelegt, dafür aber währungs- und geldpolitische Steuerungsinstrumente aufgegeben. Die Aufgabe dieser Instrumente habe relevante Kosten. Jedoch sei eine Rückkehr zu einer eigenen Währung ebenfalls nur unter hohen Kosten möglich, wobei es hierfür keinen Präzedenzfall gebe.   Abschließend sprach sich Pablo Jiménez, Kammer für Industrie und Produktion, für eine Stabilisierung des Haushalts aus, um durch übermäßige Verschuldung die Dollarisierung in Ecuador nicht zu gefährden. Am Nachmittag diskutierten Vertreter der Kammer und der Wirtschaft mit Frau Prof. Fritz am Sitz der Kammer für Industrie und Produktion in Quito über die Bedeutung des elektronischen Geldes in Ecuador und mögliche Auswirkungen auf die Dollarisierung.

Am 14. Juni stellte Frau Prof. Fritz an der Universität Cuenca Konzepte für wirtschaftliche und soziale Entwicklungsmöglichkeiten Ecuadors vor. Rodrigo Mendieta, Dekan  an der Wirtschaftsfakultät der Universität Cuenca, und Andrés Robalino, Präsident der Kammer für Industrie und Produktion Cuenca, lieferten im Anschluss kurze Beiträge bezüglich der ecuadorianischen Fiskal- und Arbeitsmarktpolitik. Konferenz in der Handelskammer Guayaquil Bild vergrößern Konferenz in der Handelskammer Guayaquil (© Handelskammer Guayaquil) Bei der Konferenz in Guayaquil in der Kammer für Industrie und Produktion am Donnerstagabend fanden sich ebenfalls zahlreiche interessierte Vertreter aus Wirtschaft und Industrie sowie Studierende ein. In ihrem Vortrag stellte  Frau Prof. Fritz die wesentlichen Merkmale der im letzten Jahrzehnt in Lateinamerika diskutierten Wirtschaftsmodelle vor, verortete die in den letzten Jahren in Ecuador verfolgte Politik in diesem Schema und zeigte aufgrund des von ihr und Anderen vertretenen Modells des „Neodesarollismo“ Möglichkeiten für die weitere wirtschaftspolitische Entwicklung von Ecuador auf.

Frau Prof. Fritz gab im Rahmen ihrer Vorträge nicht nur interessante Einblicke in die aktuelle Wirtschaftsforschung über Lateinamerika, sondern gewann auch selbst intensive Eindrücke über die wirtschaftliche Realität in Ecuador. Die Vortragsreise trug somit erfolgreich zum besseren Kennenlernen zwischen Ecuador und Deutschland bei und legte die Basis für eine weitere Intensivierung des wissenschaftlichen Austausches. Hierzu trugen auch mehrere Interviews bei, die Prof. Fritz während ihres Besuchs in Ecuador gab.